Der Mensch, der eine Uhr besitzt, sollte auch wissen, dass die Uhr ihn besitzen kann. Die Uhr kann mit ihm etwas machen - mit der Auswahl der Uhr bestimmt der Mensch auch diesen Einfluss, bestimmt er die Werte, die ihm wichtig sind.
Die Zeitmessungen bei Formel 1-Rennen und Sportwettkämpfen haben sich selbst ad absurdum geführt. Wenn nur noch allein die technische Präzision des Zeitmessers über das Ergebnis eines Wettbewerbs entscheidet, dann tritt der Mensch mit seiner Leistung in den Hintergrund, obwohl es eigentlich um ihn geht. Die Präzision eines humanen Zeitmessers orientiert sich am Leben und der Lebendigkeit des Menschen, der ihn besitzt.
Es bedeutet ein Stück Freiheit, sich die Zeit zu nehmen, eine eigene Persönlichkeit zu bleiben, nicht mit Moden zu gehen und noch zu wissen, wer man im tiefsten Innern selbst ist. Wer nicht mit der Zeit geht, geht oft mit der Zeit ! Freiheit bedeutet nicht immer nur die Fähigkeit, etwas tun zu können; Freiheit kann auch heißen, etwas wegzulassen, etwas nicht tun zu müssen.
Immer wieder zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, wie sehr Stress das Neue, das Kreative verhindert. Die selbstorganisierte Stressquelle Nr. 1, der Zeitstress, beeinträchtigt den Menschen so, dass seine Kreativpotentiale nicht oder nur teilweise entfaltet werden. Wir unterscheiden nicht mehr, wir managen die Freizeit genauso wie die Arbeitszeit. Schleichend haben wir auch die Zeit-Messer der Arbeitswelt in die Freizeitwelt übernommen. Man weiß heute: Je genauer die Uhren, desto größer der Stress. Der tägliche Selbstmord mit dem Zeit-Messer.
Die Natur, die Umwelt ganzheitlich wahrnehmen heißt auch, die Zeit ökologisch einzubeziehen. Die Ökologie der Zeit zu beachten ist Voraussetzung für die bekannte bio-ökologische Betrachtungsweise. Wir sind Meister in der zeitökonomischen Sichtweise und übersehen, dass das „immer mehr“ auch Grenzen hat. Die Uhr ist unser allumfassender Zeitökonom, demgegenüber wir stets gehorsam sind.
Übliche Zeitmesser zeigen an, wie die Zeit fortschreitet. Sie können aber nur die Menge anzeigen, die Zeit-Quantität. Unser Leben macht nicht die Quantität, sondern die Qualität der Zeit aus. Wir kennen alle den Unterschied zwischen „erfüllter“ und „gefüllter“ Zeit. Unsere eigentliche Zeit, die erfüllte Zeit, ist nicht abhängig von der Menge. Dem sollte auch die Umgebung Rechnung tragen, für die wir uns entschieden haben. Die Uhr ist Sinnbild dieser unserer Entscheidung.
Der einzige wirkliche und „dauerhafte“ Luxus ist die Zeit. Das Objekt der Zeit ist heute die Uhr. Mit diesem Luxus sollte der Mensch verantwortungsvoll umgehen und seine Uhr ganz allein für sich, für seinen Luxus „Eigenzeit“ auswählen.
Verlässlichkeit und Rückbesinnung auf das Wesentliche, das Eigentliche: Das sind Tugenden, welche die kreativen Menschen in der Geschichte verkörperten. Die Uhr als sinnlicher Anker für die Zeit muss eine Ruhequelle symbolisieren inmitten der „Zuvielisation“. Sie muss mithelfen, ganz im Sinne der Tradition, das Wesentliche im Menschen zu bewahren, seine eigene Zeit.
Innehalten, sich auf die Langsamkeit einzulassen, seine Zeit zu suchen erfordert heute Mut. Ohne Mut zur Eigenzeit werden wir mitgerissen und aufgerieben vom Zeitgeist, der sich zunächst im Zeitmangel zeigt und im Zeitinfarkt endet. Nachdem wir Eigenzeit entdeckt haben, brauchen wir einen starken Willen, diese gegen alle Trends zu leben. Dabei liegt es ganz allein an uns, die Hilfsmittel, z.B. Uhren, zu wählen, die unser Leben beschleunigen oder andere, die es entschleunigen.
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