Seit der Mensch die Zeit selbst „produziert“, seit er sich bei der Zeitmessung von den Naturvorgängen gelöst hat, baut man immer selbsttätiger laufende Uhren, die der Besitzer nun in sein Alltagsleben integriert. Dabei übersah man aber meist eine scheinbar vernachlässigbare Nebenwirkung: Die Uhr selbst wirkte wiederum auf das Alltagsleben zurück! Das Leben wurde immer uhrzeitbestimmter, exakter, pünktlicher und beschleunigter -mit allen seinen Folgen. Der Mensch musste sich immer weniger um die Uhr kümmern - die Uhr kümmerte sich nun immer mehr um den Menschen! Man hatte Uhren gebaut für die Zeit des Menschen, aber nicht von der Zeit des Menschen aus. Es waren Uhren, entstanden aus dem Maschinendenken, einem Zeitverständnis, welches den Anfängen der Industrialisierung entstammt und dem wir auch heute, am Beginn des nächsten Jahrtausend noch nachhängen. (Selbstverständlich war die Uhr nicht die einzige und eigentliche Ursache für diese Entwicklung. Sie zeigt aber deutlich sichtbar das herrschende Zeitverständnis und zementiert es als ständig vorhandener „sinnlicher Anker“.) Heute, im Zeitalter hochkomplexer Computerentwicklungen und flexibelster Kommunikationstechnologien, können wir uns dieses antiquierte Zeitverständnis nicht mehr leisten, da wir damit den Menschen als Organismus übersehen und im Zeitinfarkt enden, wie die Erfahrungen um uns herum zeigen. Die destruktiven Auswirkungen des Zeitmangels, des ständigen Gejammers „Ich habe keine Zeit!“ auf die Gesundheit, die Erziehung, die Schule, die Politik usw. sind für jedermann heute zu beobachten. Wir benötigen daher ein verändertes, vom Menschen ausgehendes Zeitverständnis, um einen anderen Umgang mit der Zeit zu erleben. Und wenn eine Uhr diese neue Auffassung von Zeit widerspiegeln soll, dann muss sie von dem Zeiterleben des Menschen aus konstruiert werden und nicht als Zeitmaschine, die sich den Menschen untertan macht. Vorher muss man sich daher die Frage stellen: Was ist eigentlich „Zeit“?
Unter Chronos verstand man die gleichförmig ablaufende äußere Zeit, die „exakte“ Zeit, die heutzutage Bezug hat zu Uhren und Kalendern. Mit dieser Zeitvorstellung fühlt man sich fremdgesteuert, man funktioniert nur noch wie eine Maschine und versucht, möglichst viel in seine ach so knappe Zeit hineinzupacken. Man versucht die Zeit zu beschleunigen durch Zeitregelung und durch das Ausschalten sog. „unproduktiver“ Pausenzeiten. Von Menschen mit diesem Zeiterleben hört man häufig Sätze wie diese: „Ich habe keine Zeit ! Ich muss gegen den Zeitmangel ankämpfen ! Die Zeit arbeitet gegen mich !“
Kairos hieß bei den Griechen die ungleichmäßig ablaufende innere Zeit, die den Gefühlen zugänglich ist, der „rechte Augenblick“. Diese Zeitvorstellung zielt darauf, das angemessene, rechte Zeitmaß zu finden, den organischen Rhythmus von Ruhe und Aktivität, der auch die bewusst eingeplanten Pausenzeiten enthält. Menschen mit diesem Zeiterleben würden äußern: „Ich lebe in der Zeit und habe die Zeit, die ich brauche. Ich suche mir die rechte Zeit ! Die Zeit arbeitet für mich !“ Die Gegenüberstellung der beiden Zeitauffassungen macht deutlich, dass das Chronos-Denken unseren heutigen Alltag beherrscht und wir häufig ausgeblendet haben, dass es noch eine andere Zeitperspektive gibt. Beide Zeitauffassungen, Chronos wie Kairos, sind für unser Zusammenleben wichtig und notwendig. Es kommt aber darauf an, sie in der Balance zu halten und zu schauen, wann welche Zeitauffassung angemessen ist. Wenn die Freizeit keine „freie Zeit“ mehr ist, sondern in ihr, wie Untersuchungen zeigen, zu 95 % leistungsbezogene Tätigkeiten ausgeübt werden und ein Termin den anderen jagt, dann hat man die eigene Zeitregie an Chronos abgegeben. Dann steht man in der Gefahr, nicht mehr seine EigenZeit zu spüren, nicht mehr zu empfinden, was der eigene Körper, der Geist und die Seele braucht. Nicht wenigen Menschen hat erst eine wie auch immer geartete Lebensbedrohung „geholfen“, die EigenZeit wieder zu entdecken. Wer seine Eigenzeit leben will, versucht nicht, die Zeit in den Griff zu bekommen ( weil das gar nicht geht) und schiebt nicht die Schuld für den Zeitstress auf andere (die Medien, die heutige Zeit usw.). Wer seine Eigenzeit leben will, übernimmt die volle Verantwortung für seine Zeit und versucht, neben den unabänderlichen Zwängen des Chronos noch den Zeitgenuss des Kairos in sein Leben zu integrieren.
Die Uhrzeit lässt sich nur durch ein „Gitter“ anschauen!
Ein destruktiver Umgang mit der eigenen Zeit kann gefährlich werden, manchmal sogar lebensgefährlich. Wer dem Zeitinfarkt nicht gegensteuert erlebt nicht selten den Herzinfarkt. Gefährliches aber sollte man sich lieber mit der nötigen Ehrfurch und mit Abstand hinter Gittern anschauen.
Und was beim Bau der Uhren auch noch wichtig war:
| Anzahl | Artikel | Preis | |
|---|---|---|---|
| Ihr Warenkorb ist leer. | 0,00 € | ||
| Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt. zzgl. Versandkosten | |||

eigenzeit-Verlag
Tannenweg 9
D-78126 Königsfeld i.Schw.
Tel: 07725-3925
Fax: 07725-919377
E-Mail: info@eigenzeit.de