Die Philosophie der eigenzeit-Uhr

Uhrenentwicklung und Zeitverständnis

Hinter jeder grundlegend neuen Uhrenentwicklung stand ein bestimmtes Zeit-Verständnis. Die Erfinder der Sonnenuhren, der Wasseruhren, der ersten mechanischen Uhren bis hin zur Atomuhr hatten eine je individuelle Auffassung von Zeit, die sich dann in ihrem Zeit-Messer widerspiegelte. In den letzten 3-4 Jahrhunderten allerdings hat sich die Uhr nicht grundlegend verändert, weil auch die seit dem Mittelalter herrschende und nahezu kultisch verehrte Grundhaltung „Schneller ist besser“ bis heute erhalten hat. Die Uhren wurden lediglich exakter (bis hin zur Atomuhr), schneller ablesbar (bis hin zur Digitalanzeige), multifunktionaler (bis hin zum Handgelenkcomputer) oder erhielten neue Funktionen als Modeschmuck und Statussymbol.

Sein oder Design - das war stets die Frage

Seit der Mensch die Zeit selbst „produziert“, seit er sich bei der Zeitmessung von den Naturvorgängen gelöst hat, baut man immer selbsttätiger laufende Uhren, die der Besitzer nun in sein Alltagsleben integriert. Dabei übersah man aber meist eine scheinbar vernachlässigbare Nebenwirkung: Die Uhr selbst wirkte wiederum auf das Alltagsleben zurück! Das Leben wurde immer uhrzeitbestimmter, exakter, pünktlicher und beschleunigter -mit allen seinen Folgen. Der Mensch musste sich immer weniger um die Uhr kümmern - die Uhr kümmerte sich nun immer mehr um den Menschen! Man hatte Uhren gebaut für die Zeit des Menschen, aber nicht von der Zeit des Menschen aus. Es waren Uhren, entstanden aus dem Maschinendenken, einem Zeitverständnis, welches den Anfängen der Industrialisierung entstammt und dem wir auch heute, am Beginn des nächsten Jahrtausend noch nachhängen. (Selbstverständlich war die Uhr nicht die einzige und eigentliche Ursache für diese Entwicklung. Sie zeigt aber deutlich sichtbar das herrschende Zeitverständnis und zementiert es als ständig vorhandener „sinnlicher Anker“.) Heute, im Zeitalter hochkomplexer Computerentwicklungen und flexibelster Kommunikationstechnologien, können wir uns dieses antiquierte Zeitverständnis nicht mehr leisten, da wir damit den Menschen als Organismus übersehen und im Zeitinfarkt enden, wie die Erfahrungen um uns herum zeigen. Die destruktiven Auswirkungen des Zeitmangels, des ständigen Gejammers „Ich habe keine Zeit!“ auf die Gesundheit, die Erziehung, die Schule, die Politik usw. sind für jedermann heute zu beobachten. Wir benötigen daher ein verändertes, vom Menschen ausgehendes Zeitverständnis, um einen anderen Umgang mit der Zeit zu erleben. Und wenn eine Uhr diese neue Auffassung von Zeit widerspiegeln soll, dann muss sie von dem Zeiterleben des Menschen aus konstruiert werden und nicht als Zeitmaschine, die sich den Menschen untertan macht. Vorher muss man sich daher die Frage stellen: Was ist eigentlich „Zeit“?

Was eigentlich ist „Zeit“?

Den Satz „Dem Glücklichen zählt keine Stunde !“ kennt wohl jeder aus eigener Erfahrung und wir haben in der Regel auch alle schon erfahren, wie sich unser Zeit erleben in einer Krisenzeit, z.B. bei einer Krankheit, völlig verändert. Plötzlich geraten unsere sonst so notwendigen Alltagsarbeiten in den Hintergrund und etwas ganz anderes wird uns wichtig. Wir vergessen dabei die Zeit und genießen oder erleiden nur den Augenblick. Schon diese Erfahrungen zeigen uns, dass Zeit nicht nur das ist, was die Uhr anzeigt, sondern mit unserem Inneren, mit unserem Bewusstsein zu tun hat. Dies wusste im alten Griechenland jeder, man kannte sogar zwei Begriffe für unser heutiges Wort „Zeit“ : Chronos und Kairos.

Unter Chronos verstand man die gleichförmig ablaufende äußere Zeit, die „exakte“ Zeit, die heutzutage Bezug hat zu Uhren und Kalendern. Mit dieser Zeitvorstellung fühlt man sich fremdgesteuert, man funktioniert nur noch wie eine Maschine und versucht, möglichst viel in seine ach so knappe Zeit hineinzupacken. Man versucht die Zeit zu beschleunigen durch Zeitregelung und durch das Ausschalten sog. „unproduktiver“ Pausenzeiten. Von Menschen mit diesem Zeiterleben hört man häufig Sätze wie diese: „Ich habe keine Zeit ! Ich muss gegen den Zeitmangel ankämpfen ! Die Zeit arbeitet gegen mich !“

Kairos hieß bei den Griechen die ungleichmäßig ablaufende innere Zeit, die den Gefühlen zugänglich ist, der „rechte Augenblick“. Diese Zeitvorstellung zielt darauf, das angemessene, rechte Zeitmaß zu finden, den organischen Rhythmus von Ruhe und Aktivität, der auch die bewusst eingeplanten Pausenzeiten enthält. Menschen mit diesem Zeiterleben würden äußern: „Ich lebe in der Zeit und habe die Zeit, die ich brauche. Ich suche mir die rechte Zeit ! Die Zeit arbeitet für mich !“ Die Gegenüberstellung der beiden Zeitauffassungen macht deutlich, dass das Chronos-Denken unseren heutigen Alltag beherrscht und wir häufig ausgeblendet haben, dass es noch eine andere Zeitperspektive gibt. Beide Zeitauffassungen, Chronos wie Kairos, sind für unser Zusammenleben wichtig und notwendig. Es kommt aber darauf an, sie in der Balance zu halten und zu schauen, wann welche Zeitauffassung angemessen ist. Wenn die Freizeit keine „freie Zeit“ mehr ist, sondern in ihr, wie Untersuchungen zeigen, zu 95 % leistungsbezogene Tätigkeiten ausgeübt werden und ein Termin den anderen jagt, dann hat man die eigene Zeitregie an Chronos abgegeben. Dann steht man in der Gefahr, nicht mehr seine EigenZeit zu spüren, nicht mehr zu empfinden, was der eigene Körper, der Geist und die Seele braucht. Nicht wenigen Menschen hat erst eine wie auch immer geartete Lebensbedrohung „geholfen“, die EigenZeit wieder zu entdecken. Wer seine Eigenzeit leben will, versucht nicht, die Zeit in den Griff zu bekommen ( weil das gar nicht geht) und schiebt nicht die Schuld für den Zeitstress auf andere (die Medien, die heutige Zeit usw.). Wer seine Eigenzeit leben will, übernimmt die volle Verantwortung für seine Zeit und versucht, neben den unabänderlichen Zwängen des Chronos noch den Zeitgenuss des Kairos in sein Leben zu integrieren.

Was ist das Besondere an der eigenzeit-Uhr?

Die eigenzeit-Uhr versucht die einseitige Maschinenzeit-Auffassung zu ergänzen mit dem menschlichen Faktor; sie ist eine vom Menschen aus geplante Uhr, mit der der Mensch die Regie über seine Zeit nicht abgibt, sondern sie zeitsouverän meistert. Mit der eigenzeit-Uhr wird keineswegs die „Chronos-Zeitauffassung“ verurteilt, schließlich kann man mit ihr durchaus eine relativ genaue Uhrzeit ablesen. Sie will aber ein sinnlicher Fixpunkt für das „Kairos-Denken“ in unserer unmittelbaren Umwelt sein und uns stets an die Balance zwischen Chronos und Kairos erinnern. Einige Merkmale der eigenzeit-Uhr unterstützen den nur noch funktionierenden und vom Zeitmangel geplagten Zeit-Genossen dabei, in die Balance zu kommen:
  • Es gibt nur einen Zeiger, den Stundenzeiger !
    Jahrtausendelang lebten die Menschen nach dem Stand von Sonne und Mond. Das können wir uns heute nur noch in Urlaubszeiten „leisten“. Aber auch für die meisten Tätigkeiten reicht heute ein Ungefähr-Zeitmaß, wie es der Stundenzeiger anzeigt, völlig aus, ohne dass wir unpünktlich werden müssten. Man könnte sich ja einmal fragen, wozu die Uhr überhaupt zwei oder gar drei Zeiger benötigt. Es versteht sich von selbst, dass wir in Räumen, in denen Maschinenprozesse sekundengenau ablaufen (Eisenbahn, Flugzeug, Werkzeugroboter usw.) absolut exakte Steuerungsuhren benötigen.
  • Der übliche Sekundenzeiger ist reduziert auf eine winzige Scheibe im Zentrum !
    Es kommt im Alltagsleben nicht auf die Sekunde an, es sei denn, wir müssten ständig unsere Lebensvorgänge „stoppen“. Sie Sekunden-Mitte der eigenzeit-Uhr symbolisiert, dass wir in der Zeit in Bewegung sind. Nicht die Zeit vergeht, sondern wir vergehen in der Zeit! Nebenbei zeigt die sich im Sekundentakt drehende Scheibe dem Uhreneigner beruhigend an, dass die Uhr noch „läuft“.
  • Die Ziffern auf dem Ziffernblatt sind unregelmäßig und willkürlich verteilt!
    Es kommt nicht auf die messbare Zeit an, wie lang oder kurz wir einen Augenblick erleben. Wir können den Abstand zwischen 6 und 9 Uhr wie eine Ewigkeit oder wie eine Minute erleben. Die Ziffern erinnern an „Kairos“, an die erlebte Zeit, an die Eigenzeit. Wer seine Eigenzeit-Anzeige noch weiter verfeinern will, legt den Ausgangspunkt 12 Uhr selbständig neu fest (z.B. dort, wo sonst 14 Uhr ist). Dann wird sich nur noch der Uhrenbesitzer selbst auf dem Ziffernblatt orientieren können. Das Ziffernblatt lädt permanent zum Innehalten ein - man kann nicht „eben mal schnell“ die Uhrzeit ablesen. Die Uhr stoppt uns in unserem Schnelligkeitsstreben, irritiert, zwingt zum Reflektieren und gibt uns nach achtsamem Hinsehen doch eine ausreichende Uhrzeit preis.
  • Das älteste Symbol für die Zeit, die nach außen offene Spirale, bildet den Mittelpunkt des Ziffernblattes!
    Heutzutage ist für den Menschen die Uhr zum Symbol für die Zeit geworden. Bereits seit den alten Hochkulturen aber ist die Spirale das älteste Symbol für die Zeit. Das Bild der unregelmäßigen, nach außen offenen, eine Entwicklung anzeigende Spirale soll mit jedem Blick auf die Uhr deutlich machen, dass die Uhr nicht dasselbe ist wie die Zeit.

 

Optional bei einigen Uhrmodellen:

Die Uhrzeit lässt sich nur durch ein „Gitter“ anschauen!
Ein destruktiver Umgang mit der eigenen Zeit kann gefährlich werden, manchmal sogar lebensgefährlich. Wer dem Zeitinfarkt nicht gegensteuert erlebt nicht selten den Herzinfarkt. Gefährliches aber sollte man sich lieber mit der nötigen Ehrfurch und mit Abstand hinter Gittern anschauen.

Und was beim Bau der Uhren auch noch wichtig war:

  • Zeit-loses Material
    Die Stand- und Wanduhren werden eingebaut in 400 Millionen Jahre alte Naturschieferstücke. Das Material allein lenkt damit unseren Blick auf unsere Vergänglichkeit und die Ewigkeit der Zeit. Der Schiefer zeigt auch die im Vergleich zur Erd- und Menschheitsgeschichte winzige Zeitspanne unseres Lebens auf.
  • Handfertigung
    Jedes Naturschieferstück wurde handgefertigt, unterscheidet sich ein wenig von anderen Stücken und ist damit ein unverwechselbares Unikat. Der Besitzer dieser Uhr hält also ein Stück in der Hand, für das schon bei der Herstellung viel Zeit aufgewendet wurde.
  • Recycling
    Die eigenzeit-Uhr wurde gefertigt aus haltbarem und recyclierbarem Material (Stahl, Leder), ein Produkt gegen die Zeit „sparende“ Ex-und Hopp-Mentalität.
  • Herstellung im Ländle
    Die eigenzeit-Uhr wird in Deutschland, in einer kleinen Uhrenfabrik im Schwarzwald, hergestellt.

 

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