20 Fahnen zur Zeit im Kurpark Königsfeld (Mai bis November 2010)
Die Fahnenmotive sind Gestaltungen mit philosophischen Aspekten zum Thema Zeit. Zeit wird in begriffliche Darstellungen gebracht, die dieses komplexe Thema aus Sicht des Künstlers aufzeigen. In die Gestaltung der Fahnenmotive sind Texte, Textfragmente und Zitate zum Thema Zeit integriert. Die Collagenfügen Bestehendes mit Neuem zusammen. Bilder werden multipliziert und ineinandergelegt, abstrahiert und substrahiert. Neue Ebenen werden geschaffen und miteinander zusammenkopiert, Neues entsteht und wird wiederum mit Altem zusammen geführt. Diese Bildfragmente ergeben dann durch die mehrfachen Verdichtungen des Übereinanderlegens neue Zeitebenen.
Das Nachdenken über die Zeit ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst. Wir alle glauben zu wissen was Zeit ist, können sie aber nur schwer oder gar nicht erklären. Philosophie, Theologie und Naturwissenschaften haben von jeher immer neue, abstrakte Theorien zum Phänomen Zeit und zum Verhältnis von Zeit und Raum entwickelt. Seit Beginn dieses Jahrhunderts und in besonderem Maße seit Anfang der 60er Jahre beschäftigen sich vor allem auch bildende Künstler mit der Zeit. Dabei wurden und werden unterschiedlichste Zeitphänomene wie etwa Realzeit, Lebenszeit, lineare und zyklische Zeit, meßbare Zeit und subjektives Zeitempfinden auf verschiedenste Art und Weise visualisiert und damit sinnlich und ästhetisch erfahrbar gemacht. Gegen chronos phagos ( Kronos der Fresser, ungehemmter Zeitverbrauch, Konsum, Hektik und Langeweile) stehen die Hoch-Zeiten: Feste und Spiele, die dann auch kairoi, also Aus-Zeiten sind. Diesen Begriff nimmt der Künstler für die Fahneninstallation 2010 auf und nennt die Ausstellung “KAIROI– Auszeiten von Arnulf Struck”. Die Fahneninstallation soll für die Betrachter diese positive Hoch-Zeit, diese Aus-Zeit sein, wie es für den Künstler bei der Gestaltung der Motive auch diese Aus-Zeiten waren. Kairos steht für Zeitenwende und den rechten Augenblick, aber auch für Krise sowie erfüllte Zeit. Dieser Kairos ist mit Rhythmen in Verbindung zu bringen, mit Ende und Anfang, Tag und Nacht, Körperrhythmen und Jahresrhythmen. Rhythmische Prozesse sind dadurch gekennzeichnet, dass sie nach einer gewissen Zeitspanne wieder in ihren Ausgangszustand zurückkehren. Der Moment zwischen den Rhythmen, die Schwelle zwischen Anfang und Ende, dieser kurze Moment – oder diese Ewigkeit dazwischen – macht den günstigen Augenblick, den Kairos aus. Kairoi sind also Gelegenheiten, die man nützen kann und zu ihrer Zeit nützen muss, weil sie vorbeigehen. Es gilt den günstigsten Zeitpunkt zu erfassen und nicht zu verpassen; wann diese Zeiten kommen, hängt nicht von uns ab, aber wenn sie da sind, sind sie für uns da, sind sie Chance; Zeit ist so ein vorübergehender Umstand, der für bestimmte Vorhaben günstig ist.
Arnulf Struck
Kommunikationsdesign
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